Werner Lederer: „Der Ball – und nicht das Bierglas sollte im Mittelpunkt stehen“ – Kevin Hirner: „Es fließt viel zu viel Geld im Fußball-Unterhaus“

Der aktuelle Podcast von Pinzgau-Aktuell über die Situation im Pinzgauer Fußball – mit Blick auf den FC Pinzgau und die TSU Bramberg – sorgt für Diskussionen.
Nach der Veröffentlichung haben sich auch Stimmen aus der Region gemeldet und ihre persönliche Sicht geschildert.

Kevin Hirner (SC Wald): „Aussagen wie: Fast jeder Aufsteiger steigt ein Jahr später wieder ab. Nur noch vier Vereine im Pinzgau messen sich mit Flachgauer Vereinen etc. Warum ist das so? Leider muss man schon sagen, dass seit Jahren viel zu viel Geld im Unterhausfußball fließt. Ich will keine Namen nennen, aber das beginnt teilweise schon in der 2. Klasse. Wenn ein Verein einen Spieler hat, der gute Leistungen zeigt, wird prompt Druck von anderen Vereinen ausgeübt, ihn auf Biegen und Brechen verpflichten zu wollen, teils mit Versprechungen wie einer Startelfgarantie, die nicht ansatzweise Sinn machen. Die SG Schmitten/Kitz schafft es nicht, eine Nachwuchsmannschaft über der U15 aufstellen zu können, was bei dieser Einwohnerzahl eigentlich unvorstellbar ist. Und nein, speziell in den unteren Ligen, siehe Wagrain, ist der Klassenunterschied absolut nicht groß. Sicher kann ich jetzt schreiben, was ich will, ich habe meine Fußballschuhe auch schon an den Nagel gehängt, aber Top 4 in der 1. Klasse Süd wäre für uns heuer ohne Abgänge und Karriereenden durchaus machbar gewesen.“
Auch Werner Lederer, der beim Podcast-Gespräch dabei war, äußert sich zur aktuellen Situation im Fußball und stellt die Frage, wer bei Problemen im Verein eigentlich die Verantwortung trägt.
Er verweist darauf, dass Trainerentlassungen oft komplexe Hintergründe haben und nicht immer nur sportliche Gründe ausschlaggebend seien.

Werner Lederer: „Schuld ist immer der Trainer?
Nach den Turbulenzen im Herbst beim Salzburgligisten Bramberg war im Gespräch mit Franz Gruber zu erfahren, dass unterschiedliche Auffassungen zwischen Verein und Trainer zur Entlassung von Trainer Bernhard Hanser geführt haben. Ich habe anschließend versucht, mit Trainer Hanser ins Gespräch zu kommen, um auch seine Seite zu hören. Er wollte jedoch nicht an die Öffentlichkeit gehen.
In unserem Gespräch habe ich erfahren, dass das, was der Verein zuletzt wollte, nicht mehr mit dem übereinstimmte, wofür der Trainer ursprünglich geholt worden war. Der Trainer steht für maximalen Erfolg, was er bei anderen Vereinen bereits gezeigt hat und was im Herbst in Bramberg auch gelungen ist. Der Verein Bramberg wollte jedoch letztlich nicht in die Regionalliga aufsteigen.
Einige Spieler, die sich nicht verstanden oder übergangen fühlten, stellten sich gegen den Trainer, und für die Vereinsführung war schließlich der Trainer schuld. Gleichzeitig beklagen viele Vereine, dass Spieler immer mehr Geld fordern, und genau diese Spieler entscheiden dann oft mit, ob ein Trainer als gut oder schlecht gilt. Viele Trainerentlassungen werden von Spielern gefordert, weil sie nicht spielen oder sich vom Trainer benachteiligt fühlen.
Die Vereine sollten diese Wohlfühlmentalität für Spieler wieder etwas zurückschrauben, denn es sollte um den sportlichen Erfolg gehen und nicht um das Biertrinken in der Kabine. Wenn Einsatz und Erfolg stimmen, darf natürlich auch gefeiert werden. Es muss aber möglich sein, dass ein Trainer seine Ziele umsetzen kann, ohne mit den Spielern feiern zu müssen.
Der Ball und nicht das Bierglas sollte wieder im Mittelpunkt stehen, denn wir haben gegenüber jungen Fußballern eine Verantwortung. Ich verurteile keinen bestimmten Verein, habe in den letzten Jahren jedoch immer öfter solche Situationen gesehen oder erlebt.
Trainer, die ihre Identität bewahren, werden langfristig glaubwürdig und erfolgreich sein. Fußball ist in unserer Gesellschaft zu wichtig, als dass persönliche Interessen über das Wohl des Vereins gestellt werden sollten. Ich hoffe, dass wir wieder respektvoller miteinander umgehen.
Die Jugend braucht gute Vereine, in denen sie Halt und Orientierung findet. Nicht immer ist der Verein schuld, aber auch nicht immer der Trainer. Gemeinsam werden wir stark sein. Das ist meine persönliche Meinung!“
🎙️ Den gesamten Podcast gibt es hier:
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