Land Salzburg beteiligt sich an Permafrost-Forschung in den Hohen Tauern / Experten: „Auswirkungen spüren wir auch im Tal!“

„Wir versuchen gemeinsam herauszufinden, welche Auswirkungen der Klimawandel auf den Permafrost im Hochgebirge hat und was die möglichen Effekte – unter anderem auch bei uns im Tal und für das tägliche Leben – sind“, erklärt Gerald Valentin vom Landesgeologischen Dienst, der für das Land Salzburg das Projekt leitet. Zusammen mit dem Salzburger Forschungsinstitut Georesearch, der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, der Eurac Research sowie dem OGS (Nationales Institut für angewandte Geophysik, Triest) nehmen die Forscher Kitzsteinhorn und Großglockner in den Hohen Tauern genau unter die Lupe.
Eckdaten zur Permafrost-Forschung „FROST.INI“
- Insgesamt sieben tiefe Bohrlöcher am Kitzsteinhorn und zwei seit heuer neue Bohrlöcher im Bereich der Adlersruhe (Großglockner) liefern derzeit Temperaturdaten aus dem Inneren der Berge. Zusätzlich wurden am Gipfel des Großglockners präzise Felstemperatursensoren installiert.
- Außerdem werden Bewegungen des Geländes gemessen, felsmechanische Untersuchungen durchgeführt und die Veränderungen der Gletscher erfasst, um ein umfassendes Gesamtbild zu erhalten.
- In die Forschung investiert wird rund eine Million Euro, 80 Prozent davon kommen aus dem EU-Interreg-Programm, den Rest übernehmen die Partner.
Berge „senden“ aus dem Inneren
So entsteht mit zahlreichen Messungen ein großes Gesamtbild sowohl vom Großglockner als auch vom Kitzsteinhorn, welches bereits seit Längerem von Georesearch überwacht wird. Nächster Schritt im Forschungsprojekt ist unter anderem die Übertragung der Daten in Echtzeit. „Gemeinsam mit dem Hüttenwart haben wir bei der Adlersruhe einen Standort für die Installation eines zentralen Gateways festgelegt. An diesem Knotenpunkt sollen alle Monitoringdaten – Bohrlochtemperaturen und Bewegungswerte – zusammengeführt und stündlich per Mobilfunk an unseren Messdatenserver übertragen werden. Damit werden wir künftig in Echtzeit auf die Messwerte zugreifen können“, erklären Ingo Hartmeyer vom Salzburger Forschungsinstitut Georesearch und Landesgeologe Gerald Valentin.
Drohnen vermessen die Gletscher
Jedes Jahr aufs Neue erreichen die Menschen die Bilder über den teils rasanten Rückzug des nicht mehr „ewigen Eises“, auch der heurige laut GeoSphere Austria heißeste Sommer der Messgeschichte hat an den Gletschern massiv „geknabbert“. „Für das Gesamtbild ist auch der Zustand der Gletscher entscheidend. Wir haben daher das Gebiet rund um den Großglockner mit Drohnen vermessen und mittels Drohnenradar die Dicke des Eises eruiert. Fazit: Das Eis verliert dort derzeit Jahr für Jahr dutzende Meter an Länge und rund zwei Meter an Dicke. Die Neuigkeit, dass die Verbindung des Eises abzureißen droht und die Pasterze ihren Status als größter Gletscher Österreichs verliert, war nicht ohne Grund in aller Munde“, erklärt Hartmeyer.
Wettlauf mit der Zeit im Hotspot Alpen
Warum Daten vom Kitzsteinhorn und Großglockner hochinteressant sind und gleich mehrere Länder diese Forschungen unterstützen, bringen Gerald Valentin und Ingo Hartmeyer auf den Punkt: „Die Alpen sind ein Hotspot des Klimawandels, denn sie erwärmen sich etwa doppelt so schnell wie das globale Mittel. Der dauerhaft gefrorene Boden schmilzt, das Gestein verliert an Festigkeit.“ Die Berge antworten mit Steinschlägen und Felsstürzen. Das bedeutet für uns im Tal mehr Geschiebe und Material, das durch Muren und Hochwasser mobilisiert wird und über solche Kaskadeneffekte bis in Siedlungsräume gelangen kann.
Forschung als Basis der Gefahrenbeurteilung
Und auch in den Bergen selber sind Hütteninfrastruktur, Seilbahnanlagen, Wanderwege und vieles mehr betroffen. „Wir sind fest davon überzeugt, dass wir durch dieses Forschungsprojekt die Temperaturveränderungen im Untergrund deutlich besser erfassen und ihre Auswirkungen verstehen können. Je genauer und je schneller wir diese Entwicklungen kennen, desto besser können wir mögliche Gefahren abschätzen, rechtzeitig reagieren und für die Zukunft planen“, betonen Valentin und Hartmeyer.
Lexikon: Interreg-Projekt „FROST-INI“
Das Projekt FROST.INI zielt auf eine ganzheitliche Analyse des Permafrosts ab, um dessen Rückgang zu überwachen und Risikominderungsmaßnahmen in die Raumplanung zu integrieren, wodurch die Resilienz der Infrastrukturen in Hochgebirgsregionen verbessert wird. Ab 2.500 Meter Seehöhe beeinflusst Permafrost die Hangstabilität; der Klimawandel verschärft seine Degradation und gefährdet die Hochgebirgsinfrastruktur. Durch die Kombination von In-situ-Messungen und Fernerkundung an alpinen Pilotstandorten stärkt das Projekt das Wissen über Permafrost-Dynamiken. Zentrale Ergebnisse sind praxisnahe Leitlinien sowie ein langfristig nutzbares Überwachungssystem. Grenzüberschreitende, mehrsprachige Treffen fördern zudem den Wissensaustausch und die Innovationskapazität im Alpenraum.
Quelle: Land Salzburg
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