Erfolg einer Ökopartnerschaft zwischen der Großglockner  Hochalpenstraße und dem Haus der Natur

GROHAG PK zur Forschungsstation für Hochalpine Studien im Nationalpark Hohe Tauern Foto: Neumayr/Leopold 12.11.2025

Die Gründung der Forschungsstation war eng mit der Schaffung des Nationalparks Hohe  Tauern verbunden. Der Weg zum Nationalpark in den 1980er Jahren war – vor allem in  Salzburg und Tirol – geprägt von einem harten Ringen um eine allgemeine Zustimmung.  Die Gegnerschaft in den geplanten Nationalparkregionen war teilweise groß. Eberhard Stüber damaliger Direktor des Museums Haus der Natur und gleichzeitig  Präsident des Naturschutzbundes Österreich, und seit 1987 erster Landesumweltanwalt  Salzburgs war in dieser Phase stark in der öffentlichen Willensbildung „Pro Nationalpark“  engagiert. Stüber bemühte sich verstärkt darum die Jugend für die Idee des  Nationalparks zu gewinnen. 

GROHAG PK zur Forschungsstation für Hochalpine Studien im Nationalpark Hohe Tauern Foto: Neumayr/Leopold 12.11.2025

Es gelang ihm durch öffentlichkeitswirksame Auftritte und lange Gespräche den  damaligen Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer sen. von der Sinnhaftigkeit der  Gründung eines Nationalparks in den Hohen Tauern zu überzeugen. Bei diesen  Gesprächen wurde auch die wissenschaftliche und ökologische Begleitung dieser  Nationalparkgründung durch das Haus der Natur diskutiert. In Folge war das Haus der  Natur an der Konzeption und Umsetzung zahlreicher Lehrwege und Bildungseinrichtungen  in den Hohen Tauern beteiligt, u. a. im Raurisertal, Fuschertal, Felbertal, Hollersbachtal,  Obersulzbachtal, Murtal sowie in den Nationalparkanteilen von Kärnten und Osttirol. Bei diesen Plänen galt das Hauptaugenmerk der Großglockner Hochalpenstraße, die als  Passstraße die drei Teile des Nationalparks Hohe Tauern Salzburg, Kärnten und Osttirol  seit mehr als 90 Jahren verbindet. Die Idee sie zu einer Nationalparkstraße zu  entwickeln, wurde geboren.

GROHAG PK zur Forschungsstation für Hochalpine Studien im Nationalpark Hohe Tauern Foto: Neumayr/Leopold 12.11.2025

Ein zentraler Gedanke dabei war die Schaffung einer Anlaufstelle für Forschung in den  Hohen Tauern. Ein leerstehendes Betriebsgebäude in 2.273 m Seehöhe bot sich an. Die  grundsätzliche Vereinbarung der damaligen Ökopartnerschaft zwischen dem Haus der  Natur und der Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG) sah vor, dass die GROHAG  die Renovierung des Gebäudes und später die Betriebskosten, das Haus der Natur  Einrichtung und Betreuung der Forschungsstation übernehmen sollten. Nach langwierigen  Gesprächen mit weiteren Förderstellen gelang es schließlich die Forschungsstation am 16.  September 1989 zu eröffnen. In den 36 Jahren seither entwickelte sich die Station zu  einem beliebten und vielgenutztem Forschungsstützpunkt. Sie wurde zu einem zentralen  Stützpunkt für wissenschaftliche Arbeiten im Nationalpark Hohe Tauern. 

„Die Forschungsstation verbindet die Großglockner Hochalpenstraße mit dem  Nationalpark Hohe Tauern und dem Haus der Natur. Ihre Gründung ist unmittelbar mit  der Gründung des Nationalparks verbunden, sie hat dazu beigetragen den Nationalpark in 

der Wissenschaft sichtbar zu machen. Seit der Eröffnung im September 1989 leistete  dieser Forschungsstützpunkt für den Nationalpark und die Wissenschaft Großartiges.  Gleichzeitig hat die Straße durch den Nationalpark eine neue Dimension und Aufgabe  erhalten, der die GROHAG in herausragender Weise gerecht wird.“ — HR Prof. Dr. Dr. h.c. Eberhard Stüber, Direktor des Hauses der Natur von 1976 bis  2009 

GROHAG PK zur Forschungsstation für Hochalpine Studien im Nationalpark Hohe Tauern Foto: Neumayr/Leopold 12.11.2025

Monitoring im Sonderschutzgebiet Piffkar 

Die ersten Arbeiten auf der Forschungsstation beschäftigten sich mit der Dokumentation  der hier vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Als im Jahr 1989 per Verordnung das  Piffkar, das Gebiet unterhalb der Edelweiß-Spitze und des Baumgartlkopfs zum Sonder schutzgebiet erklärt wurde ergab sich eine zentrale Forschungsfrage: Welche  Veränderungen würde die Nutzungsaufgabe hier in den Hochlagen der Hohen Tauern mit  sich bringen? Die Idee eines langfristigen Monitoring-Programms war geboren. Nach der  Ersterfassung der hier vorkommenden Pflanzenarten, der Vögel der Kleinsäuger und der  Heuschrecken begannen 1990, also vor mehr als einem Viertel-Jahrhundert die  langfristige Bestandskontrollen ausgewählter Artengruppen.  

Heuschrecken im Hochgebirge 

Während viele dieser Monitoring-Programme Anfang der 2000er Jahre eingestellt wurden,  bewies eine Wissenschaftlerin – unbeeindruckt von ausbleibender Finanzierung – einen  besonders langen Atem. Dr.in Inge Illich erarbeitete eine unvergleichbare Zeitreihe über  die Entwicklung von Heuschreckenpopulationen im Hochgebirge – über mehr als 35 Jahre  hinweg. So gelang es Ihr hier Entwicklungsprozesse zu dokumentieren, wie sie  weitgehend unbeeinflusst vom Menschen ablaufen.  

Das obere Piffkar, ein hochalpiner, klimatischer Extremstandort, wurde über den  gesamten Untersuchungszeitraum von 1990 bis 2025 von fünf Heuschreckenarten  besiedelt. Der langfristige Einfluss der Klimaerwärmung führte zu unterschiedlichen  Reaktionen der einzelnen Heuschreckenarten. So dehnte sich das Areal des Gemeinen  Grashüpfers, einer Art mit guter ökologischer Anpassungsfähigkeit, vor allem in höhere  Lagen aus. Hingegen war die Nordische Gebirgsschrecke, eine ausgesprochene  kälteangepasste Hochgebirgsart, immer nur auf der am höchsten gelegenen  Untersuchungsfläche in 2.450 m Seehöhe anzutreffen. Es ist zu befürchten, dass diese  Art der Hochlagen durch die Klimaerwärmung zunehmend unter Druck gerät, ein weiteres  Ausweichen nach oben ist nicht mehr möglich. 

Die langjährigen Untersuchungen zeigen auch, dass die zwei- bis dreijährigen  Entwicklungszeiten der untersuchten alpinen Grashüpfer einer der Schlüssel zum  Verständnis ihrer Biologie sind. Die Embryonalentwicklung der in den Boden abgelegten  Eier dauert zwei oder sogar drei Jahre, dann erst schlüpfen die winzigen Larven, die sich  von frischen Gräsern und Kräutern ernähren. Diese Verlängerung der Entwicklungsdauer  ist eine notwendige Anpassung an die teils extremen Wetterbedingungen im  Hochgebirge. 

Die langen Datenreihen zeigen außerdem, dass die Heuschrecken-Populationen von Jahr  zu Jahr teils extremen Schwankungen unterliegen. Verlässliche Aussagen zur Entwicklung  der Bestände können daher nur durch derartige langjährige Untersuchungen gemacht  werden. Zudem ergaben die Resultate der jährlich erhobenen Anzahl der Heuschrecken  auf den Untersuchungsflächen, dass sich die Auflassung der Beweidung in den klimatisch  extremen Hochlagen des Sonderschutzgebietes positiv auf die Heuschreckenvielfalt  auswirkte. 

„Derartige Studien zur natürlichen Dynamik von Lebensgemeinschaften sind nur in  Gebieten möglich in denen der Einfluss des Menschen minimal ist. Ein Nationalpark, wie  der Nationalpark Hohe Tauern bietet genau diese Rahmenbedingungen. Nur hier können 

wir mehr über die Natur des Hochgebirges lernen. Für mich war es nicht nur eine  Herausforderung, sondern ein Privileg in so einem Gebiet arbeiten zu dürfen.“ — Dr.in Inge Illich, ehem. Mitarbeiterin im Haus der Natur 

Glockner-Öko-Forschungs-Fonds  

Im Jahr 1993 wurde der „Glockner Öko-Forschungs-Fonds“ auf Initiative des damaligen  GROHAG-Vorstandes DDr. Karl Gollegger und Herrn Professor DDr. Eberhard Stüber, der  in der Folge auch über viele Jahre den Vorsitz in der Jury führte, ins Leben gerufen. 

Mit dem Glockner Öko-Forschungs-Fonds unterstützt die GROHAG seit über 30 Jahren  die Grundlagenforschung im Nationalpark Hohe Tauern. Zahlreiche Forschungsarbeiten  im Umfeld der Großglockner Hochalpenstraße wurden so ermöglicht. Der Ökofonds richtet  sich vor allem an wissenschaftliche „Start-ups“ – Forschungsansätze, in der Pilot-Phase  deren Durchführbarkeit und Potenzial erst ausgelotet werden muss. Einige davon  entwickelten sich dann zu wissenschaftlichen Erfolgsgeschichten.“ 

— Dr. Robert Lindner, Direktor Haus der Natur und heutiger Juryvorsitzender 

„Der Glockner-Öko-Forschungs-Fonds ist für uns mehr als nur Wissenschaftsförderung – er ist Ausdruck unserer Verantwortung, die einzigartige Hochgebirgswelt rund um den  Großglockner für kommende Generationen zu bewahren. Indem wir Forschung  ermöglichen, schaffen wir die Basis für fundierte Entscheidungen im Spannungsfeld von  Naturschutz, Tourismus und Infrastruktur.“ 

— Dr. Johannes Hörl, Vorstand GROHAG 

Bis heute gelebte Partnerschaft 

Vergleichbar mit dem Sonnblick Observatorium bietet die Forschungsstation eine Basis  für vielfältige Forschungsarbeiten. Nur wenige Meter von der Straße entfernt kann man  hier ökologische Prozesse beobachten. Sie ist seit mehr als 35 Jahren Ausdruck einer  partnerschaftlichen Zusammenarbeit, die die Institutionen Haus der Natur und GROHAG  verbindet. 

Die Forschungsstation ist seit 36 Jahren ein idealer Stützpunkt für wissenschaftliche  Arbeiten in der hochalpinen Natur der Hohen Tauern. Die GROHAG hat mit der Schaffung  der Forschungsstation vieles ermöglicht. Von Universitätsexkursionen bis hin zu  langfristigen Studien, von Einzellern über alpine Vögel bis hin zu Gletschern und  geologischen Prozessen. So hilft die GROHAG mit, dass wir die Hochgebirgsnatur besser  verstehen lernen.“ 

— Dr. Robert Lindner, Direktor Haus der Natur und heutiger Juryvorsitzender „Die Partnerschaft mit dem Haus der Natur hat uns gelehrt, die Hochgebirgsnatur noch  intensiver zu verstehen und zu schätzen. Vor allem dem Gründervater der  Forschungsstation, Prof. Eberhard Stüber, und seinen Nachfolgern als Direktoren im Haus  der Natur kann nicht genug gedankt werden. Forschung im Nationalpark Hohe Tauern  eröffnet uns einzigartige Einblicke in ökologische Prozesse, die ohne langfristige  Beobachtung verborgen blieben. Dieses Wissen ist unverzichtbar, um die Großglockner  Hochalpenstraße im Einklang mit Natur- und Klimaschutz bestmöglich zu betreiben.“ — Dr. Johannes Hörl, Vorstand GROHAG

Quelle: Großglockner Hochalpensstraße

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