Die Zellerin Julia Kainberger war bei den olympischen Spielen bei den Top-Spielen als Schiedsrichterin im Einsatz – Was waren ihre Eindrücke?

🎙️ Im Gespräch: Julia Kainberger über ihren Einsatz bei den olympischen Spielen in Italien
Was hast du gedacht, als du nominiert worden bist?
Im ersten Moment war da einfach riesige Freude und auch ein bisschen Ungläubigkeit. Man arbeitet so lange auf dieses Ziel hin, und wenn es dann wirklich passiert, braucht man kurz, um es zu realisieren. Es war ein unglaublicher Stolz, nominiert zu werden und die Chance zu bekommen, Teil von Olympia zu sein – ein Moment, den ich sicher nie vergessen werde.

Wie war dann deine Vorbereitung?
Die Vorbereitung war generell in den letzten vier Jahren sehr intensiv. Es ging darum, körperlich topfit zu sein, aber vor allem auch mental bereit für die besondere Situation zu sein. Ich habe versucht, mich auf die Dinge zu konzentrieren, die ich beeinflussen kann, und Schritt für Schritt auf das Turnier hinzuarbeiten. Gleichzeitig wollte ich die Vorfreude bewusst zulassen, ohne den Fokus zu verlieren.

Wie war der Ablauf in Mailand?
Nach der Ankunft standen Akkreditierung, Teammeetings und erste Trainingseinheiten auf dem Programm. Man wächst schnell in den olympischen Rhythmus hinein – alles ist sehr professionell organisiert, und trotzdem merkt man überall diese besondere Atmosphäre. Danach hat jede Schiedsrichterin quasi ihren eigenen Tagesplan, je nachdem zu welchen Spielen man nominiert wurde.

Deine Eindrücke vom Event?
Es war beeindruckend zu sehen, wie viele Menschen aus unterschiedlichen Nationen zusammenkommen. Die Energie, die Professionalität und der gegenseitige Respekt sind etwas ganz Besonderes. Man spürt einfach, dass man Teil von etwas Großem ist – das macht Olympia so einzigartig.

Deine Einsätze?
Jeder Einsatz war etwas Besonderes und mit viel Emotion verbunden. Man versucht, den Moment aufzusaugen und gleichzeitig voll bei seiner Aufgabe zu bleiben. Für mich ging es vor allem darum, dem Team zu helfen und meine Leistung bestmöglich abzurufen. Ich durfte die Spiele USA–CZE, USA–SUI, CAN–SUI und USA–CAN leiten.
Wie sah dein Tagesablauf aus?
Sehr individuell: Frühstück, Teammeeting, Training beziehungsweise Spielvorbereitung, Regeneration und Analyse. Dazwischen blieb natürlich auch Zeit, um die Eindrücke wirken zu lassen und sich andere Events anzusehen. Der Fokus lag aber immer auf der nächsten Aufgabe.

Wie hast du Olympia persönlich erlebt?
Es war insgesamt eine unglaublich intensive Erfahrung – die Atmosphäre, die Emotionen und die Energie vor Ort sind kaum in Worte zu fassen. In vielen Momenten sogar schöner als erwartet, weil man erst wirklich begreift, wie besonders es ist, Teil eines so großen Events zu sein, wenn man mittendrin steht.
Natürlich bleibt immer das Gefühl, dass vielleicht noch ein bisschen mehr möglich gewesen wäre – aber das gehört im Sport einfach dazu. Etwas schade war für mich auch, dass wir sogenannte „Split Olympics“ an verschiedenen Orten hatten. Ein großer Teil des olympischen Gedankens ist ja eigentlich, dass alle zusammenkommen. Gleichzeitig wurde so stark auf Nachhaltigkeit geachtet und darauf, dass möglichst kurze Wege entstehen – ein Ansatz, den ich natürlich auch sehr schätze.

Was nimmst du vom Turnier mit?
Julia Kainberger:
Vor allem unglaublich viel Erfahrung darin, unter Druck zu performen, und die Erkenntnis, dass man sich auf die Dinge konzentrieren sollte, die man selbst beeinflussen kann. Dazu kommen die vielen internationalen Begegnungen und Erinnerungen, die einen nicht nur sportlich, sondern auch menschlich wachsen lassen. Sich in einem Umfeld zu beweisen, in dem die Mehrheit aus Nordamerika stammt, war eine besonders prägende Erfahrung. Für mich bleibt am wichtigsten, mir selbst immer treu zu bleiben.

Zu ihren persönlichen Highlights zählen die Eröffnungsfeier, das Spiel Kanada gegen USA sowie die vielen Gespräche mit Athletinnen und Athleten aus aller Welt.
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