UNBEKANNTES BOSNIEN: malerisch und herzlich – Ein Reisebericht von Gerald und Irmgard Kettner

ANREISE AN DIE MAKARSKA RIVIERA UND DAS CAMP DOLE
Unsere Reise begann mit einer langen Anfahrt, die uns durch Slowenien und Kroatien führte, mit dem Ziel, die schöne Makarska Riviera zu erreichen. Rund 900 km lagen vor uns und wir waren gespannt, was uns auf dem Weg erwarten würde.



Die Suche nach einem Campingplatz
Die Suche nach einem geeigneten Campingplatz gestaltete sich schwieriger als erwartet. Entweder waren die Plätze voll, oder sie lagen zu weit abseits unserer geplanten Route in Richtung Bosnien, oder zu teuer: € 95/Nacht! Es war ein wenig frustrierend, besonders angesichts des Spätsommers, dass trotzdem noch viele Campingplätze ausgebucht waren. Doch schließlich fanden wir das Camp Dole in Živogošće, ca. 25 km südlich von Makarska, das uns noch einen Platz für die Nacht anbieten konnte.


Der Preis von 59,00 € für zwei Personen inkl. Camper auf einem unparzellierten, schrägen Standardplatz war überraschend sehr hoch, vor allem nachdem wir das veraltete Waschgebäude gesehen hatten. Auch die Infrastruktur ließ zu wünschen übrig: Es gab kein Restaurant auf dem Platz, nur einen kleinen Fast-Food-Imbiss und das Geschäft bot nur eine sehr begrenzte Auswahl an Lebensmitteln. Besonders erwähnenswert war die überaus missmutige Verkäuferin, die das Einkaufserlebnis leider nicht gerade angenehm machte.

Positives und Negatives des Campingplatzes
Trotz dieser Unannehmlichkeiten war der Kiesstrand des Campingplatzes ein echtes Highlight. Das Wasser war klar und angenehm warm, ideal für eine entspannende Abkühlung nach der langen Fahrt. Im September war die Wassertemperatur noch einladend, und wir verbrachten einige schöne Stunden am Strand. Zuerst erkundeten wir noch das Dorf, aber leider gab es dort keine netten und guten Restaurants. Außerdem waren die Preise extrem hoch. Zum Abendessen gab es daher im Camp nur kleine, frittierte Sardinen und Pommes als einfache Mahlzeit.


BLIDINJE SEE UND NATURPARK
Am nächsten Morgen, nach einem kleinen Frühstück, machten wir uns auf den Weg zur bosnischen Grenze. Über Baska Voda ging es nach Zagvozd und weiter nach Imotski mit den großen Dolinen. Unsere Reise führte uns weiter in die Berge von Bosnien und Herzegowina, vorbei an Posusje und in schönen Anstiegen hinauf auf eine Hochfläche zum Blidinje-See, dem größten Bergsee des Landes. Der See liegt auf einer Höhe von 1184 m, eingebettet zwischen den majestätischen Bergen Vran und Čvrsnica und ist ein wahres Naturwunder.
Der Weg nach Bosnien: Blidinje-See




Der See hat eine Fläche von 3 bis 6 km², wobei seine maximale Tiefe nur 4 Meter beträgt. Trotz seiner geringen Tiefe hat der See eine unglaubliche, fast märchenhafte Ausstrahlung. Besonders an sonnigen Sommertagen, wenn das ruhige Wasser die umliegende Landschaft widerspiegelt, wird der Blidinje-See zu einem faszinierenden Naturerlebnis.



Im Winter, wenn die Temperaturen sinken, friert der See fast vollständig zu und verwandelt sich in eine atemberaubende Eisfläche. Der Blidinje-See ist zu jeder Jahreszeit ein wunderschöner Ort, den Naturliebhaber sowohl im Sommer als auch im Winter genießen können.

Das Camp liegt wunderschön am Ufer des Sees mit einer einfachen Rezeption mit Kochgelegenheit und einem WC- und Dusch-Container. Auch Strom für die Camper gibt es an den Stellplätzen.




Unser Abendspaziergang führte uns vom Camp entlang des Seeufers zu tollen Picknickplätzen. Dabei waren auch interessante Tierspuren zu sehen. Der Wind wurde immer stärker und zurück beim Camp flogen schon einige Sachen durch die Gegend. In der Nacht war der Sturm so stark, dass einige Nachbarn ihre Dachzelte schlossen und auch wir ins Auto flüchteten.




Der nächste Morgen war wieder sonnig und der Sturm ließ allmählich nach. Wir beschlossen, auf die andere Seeseite zu fahren und hatten dort im sehr schönen Hotel Hajducke Vrleti ein ausgezeichnetes Frühstück.



So gestärkt fuhren wir entlang des Sees zum Skigebiet Blidinje. Es gibt dort einen Sessellift, 3 Pisten und ein schönes Restaurant mit großer Terrasse.




Fazit
Obwohl die Reise und der Aufenthalt auf dem Campingplatz an der Makarska Riviera nicht ganz reibungslos verliefen, wurden wir durch die natürliche Schönheit von Bosnien und Herzegowina entschädigt. Der Blidinje-See war ein wahrer Höhepunkt unserer Reise – ein Ort, den wir nicht so schnell vergessen werden. Wer Ruhe und Natur sucht, wird hier auf jeden Fall fündig.
VON BLIDINJE NACH RAJ U RAJU UND ZUM BORACKO SEE
Die Weiterfahrt vom Blidinje-Naturpark war wunderschön: Über enge, kurvenreiche Straßen ging es Richtung Jablanica. Entlang des malerischen Jablaničko Jezero mit Ausflugsbooten, Badestränden und einigen Hotels führte unser Weg nach Čelebići. Dort bogen wir nach Süden in ein schmales, landschaftlich reizvolles Seitental ab.



Ein besonderes Highlight war die Durchfahrt durch einen engen Tunnel in einer Staumauer – danach ging es auf einer einspurigen Straße rund 12 km weiter zum Eco-Village Raj u Raju.




Das Eco-Village liegt idyllisch an einem kleinen Bach und besteht aus vielen bunten, charmanten Bungalows. Im angeschlossenen Restaurant werden typische bosnische Spezialitäten serviert – sehr empfehlenswert!





Direkt daneben liegt das Autocamp „Raj u Raju“, wunderschön am Fluss gelegen. Wer im Restaurant konsumiert, darf dort kostenlos übernachten. Der Juniorchef ist ausgesprochen freundlich und spricht sehr gut Deutsch. Das Camp selbst bietet einige wenige Stellplätze auf einer Wiese direkt am Wasser – mit kleinen Gumpen zum Baden sowie einfacher Dusche und WC. Besonders erwähnenswert: der frisch zubereitete Fisch war hervorragend!




Zurück auf der Hauptstraße fuhren wir weiter in Richtung Konjic. An einer Abzweigung folgten wir der Neretva, bevor wir über eine sehr enge und steile Straße zum Boračko-See gelangten. Dieser malerische Bergsee liegt eingebettet zwischen Wäldern und Bergen – ein echtes Naturjuwel.




Auf der Fahrt zum Boracko See…
Da der Wetterbericht starken Regen, Sturm und Gewitter ankündigte, entschieden wir uns gegen das Campen und übernachteten stattdessen im kleinen, aber sehr gemütlichen Hotel „Villa Sunce“.






Abendessen in der Villa Sunce
Wir verbrachten dort noch zwei sonnige, warme Stunden am Hotelpool, bevor uns die reizende Asra am Abend ein köstliches Menü servierte – wir waren die einzigen Gäste.
Zuerst gab es eine bosnische Vorspeisenplatte mit Schinken und Käse, dazu Salat und ein hervorragendes Gulasch. Dazu probierten wir einen kräftigen, gehaltvollen bosnischen Rotwein – sehr empfehlenswert! Den Abschluss bildete wie immer der klassische bosnische Kaffee, stilgerecht in der Kupferkanne serviert.


Inzwischen hatte ein sintflutartiger Regen mit Blitz und Donner eingesetzt, und eine tiefhängende Wolkendecke verlieh der sonst so grandiosen Landschaft ein dramatisch-düsteres Flair.
Am nächsten Morgen, nach einem ausgezeichneten bosnischen Frühstück, machten wir uns auf den Weg Richtung Sarajevo. Das Wetter war „waschküchenmäßig“ mit Nebel und viel Wasser auf den Straßen.
Sarajevo – zwischen Geschichte, Kultur und Gastfreundschaft


Ankunft und Erste Eindrücke:
Nach einer etwa 1,5-stündigen Fahrt erreichen wir Sarajevo, die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina, malerisch am Fluss Miljacka gelegen. Die Stadt, oft übersehen von Balkan-Besuchern, zeigt sich als aufstrebende Metropole – tolerant, aufgeschlossen und voller Gegenwart.

Unterkunft und Orientierung:
Im Hotel Harmony beziehen wir ein Zimmer mit Blick auf die Stadt und eigenem Parkplatz. Die Gastgeber sind außerordentlich freundlich und geben sofort hilfreiche Tipps zu Sehenswürdigkeiten und Ausflügen. Eine kurze Taxifahrt ins Zentrum kostet ca. 5 Euro und dauert rund 10 Minuten bis zur Lateiner Brücke (Latinska Ćuprija).






Historische Station: Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand
Vom Zentrum aus landen wir direkt in der Altstadt am Museum zum Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie, auf der gegenüberliegenden Seite der Brücke über die Miljacka. Hier wurde Franz Ferdinand von Gavrilo Princip ermordet, was den Ausbruch des Ersten Weltkriegs auslöste. Im Museum sind die Waffe und die Uniform des Täters ausgestellt; vor dem Gebäude steht das offene Wagenmodell, in dem die Opfer saßen.



Bazarleben und süße Pausen
Anschließend besuchen wir den Basar von Bascarsija, wo moderne Läden vor allem Lederwaren anbieten und in den traditionellen Geschäften vor allem Kupferwaren angeboten werden. Oft lässt sich ein hervorragendes Café mit einer großen Auswahl an süßen Leckereien finden – perfekt für eine bosnische Kaffee- und Baklava-Pause.




Kultureller Einblick und kulinarische Highlights
Nach der Stärkung geht der Rundgang weiter: Wir passieren das Genozid-Museum und die geschlossene Kathedrale, bevor wir die Gazi-Husrev-beg-Moschee erreichen, die größte des Landes und ein eindrucksvolles Beispiel für die osmanische Architektur.



Zum Abendessen genießen wir in einem der vielen kleinen Lokale der Altstadt eine großzügige Portion sehr schmackhaftes Lamm mit Kartoffeln, Reis und einen gigantischen Schwert-Spieß.











Von Sarajevo zum Olympia Skiresort Bjelasnica
Um ca. 10:00 erfolgte die Abfahrt vom Hotel Harmony Richtung Lukomir. Nach einer kurzen Auffahrt erreichten wir das Skiresort Bjelasnica mit modernen Appartementhäusern, Liftanlagen und schönen Pisten.







LUKOMIR – Das höchste Bergdorf Bosniens (1455m)
Auf einer immer enger werdenden Asphaltstraße geht es Richtung Lukomir. Zum Schluss kommen noch 12 km Offroadpiste, die mit einem normalen PKW ohne Allrad schwer zu schaffen sind, da der Unterboden sicher erheblich leidet und Schotter, Sand und Auswaschungen Fahrzeug und Fahrer ziemlich fordern.






Auf einem Hochplateau mit steileren Aufschwüngen, gab es Immer wieder neue Perspektiven und Ausblicke auf Dolinen und Bergkuppen. Tiefe Spurrillen und Wasserlöcher erforderten konzentriertes Fahren auf dieser einspurigen Schotterpiste, besonders auch bei entgegenkommenden, alten Lastwagen.





Das Bergdorf empfing uns mit Nebelschwaden und sehr kühlen Temperaturen. Da es schon früher Nachmittag war trieb uns der Hunger in das nächstliegende Gasthaus. „Na Krovu Svijeta“. Es erwies sich als tolles Lokal, sowohl die herzlichen Wirtsleuten, als auch die selbstgemachten Spezialitäten und die tolle Atmosphäre begeisterten uns.






Anschließend wanderten wir durch das Dorf und die umliegenden Berge. Das Wetter wurde zunehmend besser und damit auch unsere Stimmung, da es immer wieder herrliche Ausblicke gab.







Nach einigen Abwägungen und Blick auf die Karte, entschlossen wir uns für die Weiterfahrt Richtung Konjic und Mostar um eine weitere Offroadpiste Richtung Westen zu befahren. Diese Entscheidung versorgte uns später noch mit einem großen Schub Adrenalin.

Die Piste wurde immer ruppiger und felsiger, mit einigen sehr hohen Felsstufen und dahinter liegenden Löchern bzw. Auswaschungen. Nur im Schritttempo und mit kleinster Untersetzung gelangten wir langsam die 9 km Richtung Konjic.





Endlich kam ein abgelegenes Bauerngehöft in Sicht und wir konnten auf einer einspurigen Teerstraße durch eine enge Schlucht Richtung Hauptstraße hinunter fahren.
Über Konjic und Jablanac entlang der Stauseen der Neretva und durch enge Schluchten führte diese landschaftlich schöne Route noch weiter bis Mostar.



Unser Hotel „Villa Milas“ war ein großer Glücksgriff, da es nur 3 Minuten zu Fuß in die Altstadt waren und auch der Parkplatz vor dem Haus groß genug für den Pickup war.










Trotz zahlreicher Touristen war die Stimmung am Abend in der Altstadt wunderbar und das Abendessen sehr preiswert und ausgezeichnet.




Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel wartete schon eine Bootstour auf der Neretva. Leider gab es so Früh am Vormittag keinen mutigen Brückenspringer.



Zu Mittag absolvierten wir ein ca. 35 km lange Autofahrt auf Nebenstraßen zur Wallfahrtskirche von Medugorje in der Herzegowina.
Medugorje – ein Kraftplatz?







Međugorje ist ein international bekannter römisch-katholischer Wallfahrtsort, in dem 1981 sechs Kindern bzw. Jugendlichen nach ihren eigenen Angaben die Gottesmutter Maria erschienen sein soll und der jährlich von schätzungsweise bis zu einer Million Pilgern besucht wird.



Beim Eingang ins Marienmuseum gibt es ein schönes und modernes Restaurant mit sehr guter Küche. Die Preise dort sind auch sehr angenehm.
Die Weiterfahrt brachte uns durch kleinere Dörfer nach Kravica zu den Wasserfällen. Im Ort wurden wir von einem Polizisten aufgehalten. Wir waren etwas angespannt, aber er war sehr freundlich und humorvoll und wollte sich nur unser Gefährt genauer ansehen und sich über Österreich unterhalten.

Überraschender Weise führte der Fluss sehr viel Wasser und wir konnten das Tosen schon von weitem hören. In der Nähe des Besucherparkplatzes (mit Parkgebühr und Kiosk) geht eine Schotterpiste zum „Autocamp Ante“.


Das „Autocamp Ante“ liegt perfekt auf einer Hochfläche mit Ausblick auf die Berge und hat sehr schöne Stellplätze unter Bäumen und Büschen. Es gibt moderne Duschen und Toiletten und einen kleinen Shop. Für die Übernachtung bezahlten wir € 25,00.



Nach dem wir uns mit dem Besitzer gut unterhalten hatten, gingen wir zu Fuß (500 m) zur Kassa am Parkeingang. Pro Person mussten für das Ticket € 12,00 bezahlt werden, bevor man auf einem Serpentinenweg in ca. 15 Minuten hinunter zum Wasser gelangte.





Zu unserer großen Überraschung standen die Restaurants mit Stühlen und Tischen teilweise unter Wasser. Schuld daran dürften die massiven Regenfälle der letzten Tage gewesen sein.
Wir setzten uns direkt ans Wasser und genossen den Sprühnebel und das Sonnenlicht bei Bier und Kaffee. Leider konnten wir unsere geplante Kajaktour aufgrund des Hochwassers nicht durchführen.





Nach einer kühlen und taunassen Nacht verabschiedeten wir uns Richtung Meer. Die Strecke war sehr reizvoll, aber eng und kurvenreich und gebirgig, eine typische Karstlandschaft.




Ausblicke am Svitavsko See…Der Svitavsko-See ist ein halbkünstlicher See in Bosnien und Herzegowina, zwischen dem Dorf Svitava und dem Fluss Neretva. Der See ist Teil des „Hutovo Blato-Naturparks“ mit Sümpfen, Seen, unterirdischen Karstquellen und Flüssen.

12 km bosnische Küste – NEUM
In diesem Badeort war noch Saison und wir waren zuerst einmal erschlagen vom Anblick großer Hotelanlagen im 4 Sterne Segment.






Wir hatten noch ein Zimmer mit Ausblick aufs Meer im Hotel Novum ergattert. Nach einem Spaziergang durch den Badeort und einem Drink auf der Terrasse eines Hotels überkam uns der Hunger.




Das Abendessen war ausgezeichnet und die günstigen Preise stimmten uns fröhlich. Die Rechnung für uns zwei betrug € 26,00 für 1 kg Muscheln, ein Risotto,
1 Liter Wein, 2 Espresso und einen Belinkovac!
Nach einem tollen Frühstück auf der Terrasse des Hotels, direkt über dem Meer, mit vielen vegetarischen Köstlichkeiten entschlossen wir uns zur Heimfahrt nach Österreich.
Den ursprünglichen Plan noch in Kroatien am Meer zu bleiben haben wir aufgrund der extremen Übernachtungs- und Restaurantpreise fallen gelassen.

Auf der landschaftlich sehr schönen Küstenstraße ging es Richtung Split, dann weiter mittels Autobahn nach Zadar und Ljubljana.

In Kranj machten wir noch einen Essensstopp im sehr empfehlenserten Restaurant Arvaj…bevor wir über Villach und Lienz nach Zell am See fuhren, wo wir um Mitternacht und redlich müde wohlbehalten eintrafen.

Fazit:
Wir kommen wieder, denn es gibt noch viel zu entdecken!
Bosnien war für uns ein unbekanntes Land am Balkan, das uns mit seinen Naturschönheiten, der reichen Kultur aus osmanischer und österreichisch-ungarischer Geschichte, dem köstlichen und preiswerten Essen und der Freundlichkeit der Menschen äußerst positiv überrascht hat!